Special: DIE HELDENREISE

Die Heldenreise ist ein Hilfsmittel für jeden und jede von uns, um sich in Zeiten der Veränderung und während der Begegnung mit Neuem / Herausforderungen zu orientieren. Bei jeder Station der Reise geht es darum, sie zu meistern - meist durch die Beschäftigung mit ganz neuen Verhaltensweisen, aber auch durch Mut und Beschäftigung mit sich selbst.

Sie wurde vom US-amerikanischen Mythenforscher Joseph Campbell erstmals beschrieben und handelt von einer Heldin bzw. einem Helden, die ihre Reise in drei Phasen durchlaufen: Sie starten im für sie nicht mehr zufriedenstellenden Alltag, wagen Neues und gehen auf die Reise durch die Abenteuerwelt, von der sie dann verändert wieder zurückkehren. Jede der Stationen hat charakteristische Kennzeichen, an denen sie ziemlich klar erkennbar ist:

1. In der gewohnten Welt

Die Hauptperson der Heldenreise ist die Heldin oder der Held, die ein gewohntes, aber ziemlich langweiliges Leben führen. Zu diesem Zeitpunkt wissen sie noch gar nicht recht, was ihnen fehlt, sie kennen ihre Talente und Möglichkeiten nicht, haben wenig Kontakt zu ihren Gefühlen und Bedürfnissen. Sie sind noch auf der Suche nach dem, was ihnen fehlt, nach ihrer Lebensaufgabe, nach dem, was ihr Leben reicher und erfüllter machen könnte. Allgemeine Kennzeichen von Heldinnen und Helden vor ihrer grossen Reise ist, dass sie meist in gleich mehreren unglücklichen Situationen gefangen sind und ihre Reise mit vielen Schwächen und Charakterfehlern, verdrängten und ungelebten Anteilen antreten. Ihre wahren Begabungen und Stärken sind noch im Dunkeln.

2. Der Ruf der Abenteuerwelt

Vor der Reise wissen Held und Heldin oft noch gar nicht, was das sein könnte - eine Heldenreise hin zu Talenten, Möglichkeiten, Fähigkeiten und Träumen. Denn nur ganz langsam erst wird ihnen klar, dass es so etwas wie eine Abenteuerwelt, ein "zweites", erfüllteres, tieferes Leben, etwas, für das sich eine Heldenreise lohnen würde, existieren könnte. Und ihre Sehnsucht, diese Abenteuerwelt auch tatsächlich zu bereisen und kennenzulernen, wird immer grösser. Die Zeit vor der Reise kennzeichnet, dass Heldin und Held oft gar nicht so recht wissen, dass ihnen etwas fehlt, und sie lediglich eine innere Unzufriedenheit und Langeweile spüren, sich in einer unbefriedigenden Lebenssituation befinden, die aber immer grösser wird. Sie erfüllen ihre - oft von anderen - vorgegebene - Funktionen und machen "Dienst nach Vorschrift". In dieser Zeit begegnen der Heldin und dem Helden oft Menschen, die ihnen einen Vorgeschmack auf die Abenteuerwelt geben - den Herolden - und ihnen zeigen, für was es sich lohnen würde, die Alltagswelt zu verlassen und die Abenteuerwelt zu bereisen. Sie beginnen, erste Überlegungen anzustellen...

3. Weigerung und Verstrickungen

Die Herolde bringen meist etwas Neues, Faszinierendes in die Welt des Helden und der Heldin, was in ihnen die Lust auf Veränderung weckt. Das wiederum versetzt Weggefährten aus der Allgagswelt - die Schwellenhüter - in Angst und Schrecken, da Heldin und Held oft auch für sie im Leben eine wichtige Funktion erfüllen und sie durch Veränderungen durchaus auch Nachteile für sich selbst befürchten. Sie versuchen sie daher wohlmeinend an ihrer Heldenreise und damit an der Verwirklichung ihrer Ziele, Wünsche und Aufgaben zu hindern.  Die Herolde haben - glücklicherweise - irgendwann genügend Vorfreude auf all die vielfältigen zukünftigen Möglichkeiten in der Heldin und im Helden geweckt, sodass sie erkennen, dass sie ihr Leben neu organisieren müssten, damit es erfüllter, ganzer und runder werden kann. Trotzdem zaudern Held und Heldin an dieser Stelle meistens. Konkrete Schritte fallen ihnen schwer, und sie setzen die gewohnten Beschäftigungen in der gewohnten Welt erst einmal fort. Dies führt zu Ambivalenzen, Verlust von Sinnhaftigkeit und vielleicht sogar Beschwerden und Krankheiten. Oft bleibt der Heldin und dem Helden dann nach vielen Weigerungen und Verstrickungen in der gewohnten Welt gar nichts anderes übrig, als ihre Heldenreise durch die Abenteuerwelt endlich anzutreten.

4. Überschreiten der (ersten) Schwelle

Irgendwann gibt es kein Zurück mehr. Held und Heldin haben sich zum Abenteuer entschlossen, sie sind gewillt, sich dem Neuen, Unbekannten zu stellen und durch die Abenteuerwelt zu reisen - auf der Suche, nach dem was ihnen fehlt, um ihr Leben runder und ganzer werden zu lassen. Das ist eine der schwierigsten Situationen der gesamten Reise, denn Heldin und Held sind durch die vorhergehende Station - die Station der Weigerungen und Verstrickungen - meist geschwächt, manchmal sogar krank, haben die Orientierung verloren und brauchen daher oft dringend Hilfe. Die finden sie in der Person des Mentors oder der Mentorin. Sie sind Personen, die die Heldenreise aus eigener Erfahrung kennen und um die Schwierigkeiten und Gefahren während der einzelnen Stationen der Heldenreise wissen. Sie helfen der Heldin und dem Helden, die Schwelle zu überschreiten, stellen ihnen ihr Wissen zur Verfügung und begleiten sie während ihrer Heldenreise mit Wohlwollen und Wertschätzung.

5. Helden-Training

Kaum sind Held und Heldin in der Abenteuerwelt angekommen, machen sie weitere neue Bekanntschaften. Einerseits treffen sie auf Menschen, die ihnen wohlgesonnen sind - den Verbündeten - die sie unterstützen und ihnen die Spielregeln, die in der Abenteuerwelt gelten, gerne erklären. Andererseits begegnen sie aber auch Menschen - den Gegenspielern - die ihnen zwar hilfsbereit begegnen, dies aber ganz und gar aus eigennützigen Motiven sind und vor denen sie sich in Acht nehmen müssen. Dies ist eine gute Gelegenheit für den Helden und die Heldin, Menschen und Gepflogenheiten der Abenteuerwelt kennen zu lernen. Es gibt nun kein Zurück mehr - was vielleicht ganz gut ist, denn während Begegnungen und ersten Aufgaben, die neu auf die Heldin und den Held zukommen offenbart sich das wahre Ausmass der Reise, das Held und Heldin vorher nicht abschätzen konnten. Jetzt durchwandern sie Schritt für Schritt Neuland - eine anstrengende, kräftezehrende und spannende Zeit!

6. Entscheidende Prüfung und Verwandlung

Durch die Beschäftigung mit allem Neuen und das Training, das Held und Heldin in der Abenteuerwelt erhalten, werden sie fit für die entscheidende Prüfung und ihre Verwandlung. Während dieser werden sie mit dem konfrontiert, was sie am meisten scheuen und vor was sie am meisten Angst haben - dem sie immer aus dem Weg gegangen sind. Das ist nun nicht mehr das erste Schnuppern von Abenteuerluft sondern eine grundlegende Prüfung von Persönlichkeit und Werten, die die Heldin und der Held während ihres Trainings neu erworben haben. Jetzt zeigt es sich, ob Held und Heldin die inneren Anteile, die sie im Laufe ihrer Reise kennengelernt haben, in die Gesamtpersönlichkeit integrieren können und sich so erweiterten Handlungsspielraum, Individualität und Einmaligkeit erwerben.

7. Erhalt der Gabe

Heldin oder Held haben ihre Prüfung bestanden. Sie sind nun nicht mehr die selben wie früher, sie haben sich weiterentwickelt und sind reifer geworden. Und ganz wichtig: Vom Anfang ihrer Reise bis jetzt war ihnen nicht klar, was sie einzigartig macht und was tatsächlich nur sie auszeichnet! Meist sind das sogar Fähigkeiten und Kenntnisse, die sie nicht besonders schätzen oder als Makel empfunden haben. Nun aber - nach Heldentraining und Prüfung haben Heldin und Held eine andere Sicht auf sich selbst und erkennen, dass das, was sie früher als Makel empfunden hatten eine grosse Gabe ist.

8. Entschluss zur Rückkehr

Nach und nach wird der Heldin und dem Helden klar, dass ihre Gabe auch für die Daheimgebliebenen ein wertvolles Geschenk sein könnte und dass nicht nur sie von ihrer Gabe profitieren könnten, sondern auch andere. Daher entschliessen sie sich, ausgestattet mit ihren einzigartigen Fähigkeiten und ihrem erworbenen Heldenreisewissen zur Rückkehr in die Alltagswelt.

 

9. Verweigerung der Rückkehr

Eigentlich wäre alles klar - die Helden zögern aber noch, da ihnen noch nicht klar ist, wie sie ihre Botschaft, ihre Fähigkeit, ihr Talent - ihre Gabe in die Welt bringen können. Dies ist mit Risiken verbunden und es ist ihnen klar, dass sie vielleicht nicht gerade überall mit offenen Armen begrüsst werden. Indem sie aber ihre Message als Botschaft für die Daheimgebliebenen immer mehr konkretisieren erkennen sie mehr und mehr, welchen Nutzen sie durch ihre Rückkehr der alltäglichen Welt bieten können und sie brechen trotz aller Zweifel ein weiteres Mal auf.

10. Überschreiten der (zweiten) Schwelle

Dies ist die zweite Schwellensituation während der Heldenreise, nun nicht mehr aus der gewohnten Welt in die Abenteuerwelt, sondern aus der Abenteuerwelt zurück in die gewohnte Welt. Nun werden Held und Heldin wieder sichtbar in der gewohnten Welt - jedoch mit ihrer gereiften, sozusagen neuen, vollständigeren Persönlichkeit und fast noch wichtiger: Mit ihrer Gabe. Nun gilt es, diese und ihre gesamten Heldenreiseerfahrungen in der alltäglichen Welt anzuwenden. Der Held und die Heldin erfahren hier meist auch durch erneute Begegnungen von der Not, die sie durch ihr Heldenreisewissen und ihre Gabe lindern könnten. So finden sie nochmals den Mut zum Überschreiten der Schwelle zurück in die Alltagswelt.

11. Bewusstsein zweier Welten

Ihre Erfahrungen und Begegnungen machen sie sowohl zu Kennern der gewohnten Welt als auch der Abenteuerwelt und verleihen ihnen damit das Bewusstsein zweier Welten. Daher besitzen sie nun auch die Fähigkeiten, zwischen ihnen zu vermitteln, beide zu verstehen und Erklärungsnotstand zu beheben, was für beide Welten einen grossen Gewinn darstellt. Held und Heldin setzen nun ihr Bewusstsein, dass Veränderung möglich ist, ihr Wissen, wie diese Veränderung vonstatten gehen kann und ihre Gewissheit, dass nicht nur sie sondern auch alle anderen eine Gabe haben, die alle Menschen vorwärts bringen könnte um. 

 

12. Teilen der Erfahrung

Heldin und Held sind nach einiger Zeit zurück in der Alltagswelt souverän geworden darin, die gewohnte Welt zu verändern, indem sie ihr Teilhabe an Heldenreisewissen und ihrer Gabe gewähren. Da sie in ihrem Leben nicht nur Alltagsluft geschnuppert haben, sondern auch die Abenteuerwelt bereist haben, verändern die Heldin und der Held automatisch auch die gewohnte Welt und die Gepflogenheiten der Daheimgebliebenen. Es wird klar: nicht nur für ihn alleine sondern auch für ihr Umfeld haben Heldin und Held ihre Reise unternommen. Durch die Teilhabe an ihrem Heldenreise-Wissen bereichern sie nach und nach die gewohnte Welt der Daheimgebliebenen.

Was ist also die Heldenreise?

 

Von Joseph Campbell, ihrem Entdecker, stammt folgendes Zitat:

"Heldenreisen müssen sich nicht in ferner Vergangenheit oder zwischen den Sternen abspielen. Sie vollziehen sich in unseren Büros und auf den Strassen unserer Städte, vielleicht hinter der Tür unseres Nachbarn. Vielleicht sind wir selbst schon auf dem Weg, ohne es zu wissen."

Also - vielleicht sind wir also alle auf unserer spannenden Heldenreise hin zu einem souveränen Umgang mit allem, was Probleme macht und hin zu einem Leben mit vielen, interessanten und aufregenden Möglichkeiten.....

Ich nütze "Die Heldenreise" in meinen Workshops und Coachings. Bist Du gespannt wie? Sie leistet und gute Dienste, wenn wir wirkungsvolle Strategien im Umgang mit toxischen Menschen erarbeiten!